| Anfang und Entwicklung der "Obergrombacher Burgfeste" |
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| Geschrieben von: Klaus Kehrwecker |
| Donnerstag, den 26. Juni 2008 um 19:41 Uhr |
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Wo sind eigentlich die Wurzeln des "Obergrombacher Burgfestes zu suchen? Die Anfänge dazu reichen bis in die 70iger Jahre zurück. Rund 15 Jahre lang spielten die "Ruländer" - eine Tanz- und Unterhaltungsformation des Musikvereins - in Wicker (Hessen) beim dortigen Weinfest zur Unterhaltung auf. Eine ganze Straße entlang waren dort Weinstände der verschiedenen Weingüter aufgebaut. Mit den "Ruländern" kam der Straßenfest-Gedanke in das Grombachtal. An verschiedenen Stammtischen wurde die Idee weitergesponnen: Heinrich Janzer, Wolfgang Morlock und besonders Peter Ernst - der 'singende Metzgermeister' und Kronenwirt - verstiegen sich immer mehr in diese Vorstellung hinein. 1980 war es dann soweit: einige Ortsvereine griffen die Idee auf, gründeten eine Arbeitsgemeinschaft und fanden in Peter Adam - dem damaligen 1. Vorsitzenden des Musikvereins - den idealen Präsidenten. Durch seinen Beruf als Kommunalbeamter hatte Peter Adam die besten Beziehungen zur Bruchsaler Administration. Unter seiner Führung fanden sich 12 Vereine - Jugendclub, Fußballclub, Turnverein, Cäcilienverein, Tischtennisfreunde, Kleintierzuchtverein, Musikverein, Skiclub, Männergesangverein, Freiwillige Feuerwehr, Vogelschutz- und Zuchtverein und Deutsches Rotes Kreuz - in der "Burgfest-Arbeitsgemeinschaft" zusammen.Albert Lindenfelser übernahm das Kassenwesen; als weiteres Mitglied gehörte Ortsvorsteher Otto Reinelt dem Gremium an. In vielen, vielen Sitzungen wurde das "Obergrombacher Burgfest" vorbereitet. Die Vereine setzten sich mit Mitgliedern in Verbindung, die im "Städt'l" Liegenschaften hatten. Jeder fand ein Plätzchen, und am 15. August 1981, 16.00 Uhr, war es soweit: das 1. Obergrombacher Burgfest wurde mit einem Weinfaß-Anstich durch Oberbürgermeister Bieringer eröffnet. Kein Mensch hatte eine Vorstellung davon, wie sich das Ganze entwickeln wurde. Der Cäcilienverein zum Beispiel hatte mehrere Leute abgestellt, die nur eine Aufgabe hatten: sollten sich einige Gäste in die "Cäcilienklause" verirren, so sollten sie sich zu den Gästen setzen und sich mit ihnen unterhalten, damit sie nicht gleich wieder das Feld räumen würden. Was aber dann passierte, hatte sich kein Obergrombacher in seinen kühnsten Träumen ausgemalt. Um 18.00 Uhr wurde es bereits eng im "Städt'l", und gegen 20.00 Uhr hieß es "Land unter" - es ging absolut nichts mehr. Tausende und Abertausende hatten sich aufgemacht, um mitzufeiern. Ganz Obergrombach war ein einziger, riesiger Parkplatz. Eine Euphorie, eine Aufbruchstimmung, erfasste Obergrombach, wie sie nach Auskunft von älteren Mitbürgern zuletzt 1936 bei der Feier "600 Jahre Stadt Obergrombach" die Menschen begeisterte. Worauf ist der Erfolg der "Burgfeste" zurückzuführen? Dafür gibt es mehrere Ursachen: die alten Häuser und Gehöfte innerhalb der alten Stadtmauern gaben die ideale Kulisse für das Fest ab, und in typisch Obergrombacher Manier wurden von den Vereinsmitgliedern Höfe, Keller und Scheunen mit viel Sorgfalt und Liebe zum Detail herausgeputzt und dekoriert. Die Preise waren (und sind) angemessen; das Speisenangebot vielfaltig und erstklassig. Noch auf der Erfolgswelle des 1. Burgfestes reitend, organisierte die "BurgfestAG" 1982 gleich das 2. Burgfest. Auf den Erfolg des Vorjahres wurde noch eines draufgesetzt: rund 50.000 Menschen (zum Vergleich: Obergrombach hatte nur 2.200 Einwohner) wollten mitfeiern; am Samstagabend war zwischen 19.00 und 22.00 Uhr die Bundesstraße B 3 zwischen Bruchsal und Weingarten total blockiert. Rundfunkdurchsagen warnten alle halbe Stunde vor dem Stau; der Verkehr wurde auf die Autobahn(!) umgeleitet. Die Events 1981 und 1982 hatten aber auch ihren Preis: rund 1.000 Helfer waren im Einsatz, dazu wochenlange Vorbereitung im "Städt'l". Die "Burgfest-AG" fasste daher den Beschluß, das Straßenfest im 2-Jahres-Rhythmus auszurichten. 1984 und 1986 knöpften nahtlos an die Anfangserfolge an; die AG hielt am bewahrten Konzept fest: keine Schausteller oder fremden Marktbeschicker konnten beim "Burgfest" Fuß fassen; alles stammte aus dem "eigenen Haus". Jeweils zwischen 35.000 und 45.000 Burgfestbesucher bezeugen die Richtigkeit dieser Konzeption. 1986 erklärte Peter Adam - dem erheblichen Anteil am Burgfest-Erfolg gebührt - seinen Rucktritt als AG-Präsident; noch im gleichen Jahr hatte die Burgfest-AG unter seiner Ägide die Feier "650 Jahre Stadt Obergrombach" ausgerichtet. Als Nachfolger von Peter Adam konnte Gerhard Essig gewonnen werden, der seit Jahrzehnten in Obergrombach ansässige Rektor der Grund- und Hauptschule Weingarten. Der "Eingeschmeckte" fühlte sich in Obergrombach sehr wohl und engagiert sich stark für die Allgemeinheit. Ihm zur Seite stellte sich Klaus Kehrwecker, bis heute zuständig für Presse/Öffentlichkeitsarbeit. Zum "Einstand" organisierte Klaus Kehrwecker 1988 gleich eine Direktübertragung der "Burgfest-Eröffnung" durch die "Welle Fidelitas", einem gerade gegründeten Karlsruher Privatsender. Albert Lindenfelser war weiter für die Finanzen zuständig. 1989 übernahm die AG mit Essig/Kehrwecker an der Spitze der Organisation der 1200-Jahr-Feier; bis heute unvergessen sind die "Burg- und Bauernspiele", der "Historische Markt" und die Festwoche. 1990 - 1992 - 1994 - 1996: aufgereiht wie Perlen einer Kette folgte ein Burgfest dem anderen, und das Wort "Burgfest" wurde zu einer festen Große im weiten Umfeld. 1992 gelang Klaus Kehrwecker erneut ein Glückstreffer: der Süddeutsche Rundfunk übertrug live vom Obergrombacher Marktplatz am Montagmorgen von 10.00 - 11.00 Uhr eine "Nah-Aufnahme". Kleine Bemerkung am Rande: die "Grombacher" traten erstmals live im Rundfunk auf; 15 Jahre lang waren sie in der Folgezeit ständiger Gast auf den TV-Bildschirmen. "Kontinuität" ist auch eines der Schlüsselworte des Burgfest-Erfolg-Konzepts: in 17 Jahren "nur" 2 Präsidenten. Die "Burgfeste" hatten auch positive Auswirkungen auf das Leben in Obergrombach. 1971 durch die Eingemeindung zu Bruchsal der politischen Selbständigkeit beraubt, rückten die Vereine in der "Burgfest-AG" enger zusammen. Die Zusammenarbeit klappte weitgehend reibungslos; es entstand so etwas Ähnliches wie ein "Wir-sind-auch-noch-wer"-Gefühl. Die Obergrombacher sahen ihr "Städt'l", den alten historischen Ortskern, wieder mit anderen Augen: man ist stolz auf die Uberbleibsel vergangener Zeiten zu Füßen von Schloss und Burg. Zahlreiche alte Häuser wurden renoviert, Fachwerk freigelegt, Teile der Stadtmauer restauriert. Nur schade, dass die Konzeption der Stadt Bruchsal zur Sanierung des "Städt'l" auf halbem Wege stecken geblieben ist - der alte Ortskern könnte heute längst ein vorzeigbares "Schmuckkästlein" sein. So mancher Groschen sprang durch die "Burgfeste" in die Kassen der Obergrombacher Vereine. Sie wurden in die Vereinsarbeit - insbesondere in die Jugendarbeit investiert. Nicht von ungefähr sind z.B. Turnverein, Musikverein, Tischtennisverein, Männergesangverein, Fußballclub, Tischtennisfreunde, DRK und Freiwillige Feuerwehr in der Lage, eine vorbildliche Jugendarbeit zu leisten. Ungefähr gleich blieb auch die Zahl der beteiligten Vereine: lediglich Vogelschutz- und Zuchtverein und Jugendclub schieden aus; dafür kam der Hundeverein dazu. Ab dem Jahr 2000 trat ein Wechsel an der Spitze der Burgfest-ARGE ein. War es bisher immer ein Präsident, der die Geschicke der ARGE leitete, so trat jetzt ein Rotationsprinzip in Kraft: es waren noch neun Vereine, die das Burgfest ausrichteten. Immer drei Vereinsvorsitzende bildeten in Zukunft ein Präsidenten-Gremium; in der nächsten Burgfest-Saison bestiegen drei neue Präsidenten den Thron. 2001/2002 wurde von der Stadt Bruchsal zum „Bundschuhjahr“ ernannt; vom Joß-Fritz-Fest in Untergrom-bach im Sommer 2001 bis zum Burgfest in Obergrombach im Sommer 2002 stand alles im Zeichen des vergeblichen Bundschuh-Aufstands des „Ursächers“ Joß Fritz im April des Jahres 1502. Untergrombach eröffnete das Jubiläumsjahr mit einem großen Festumzug – beim Burgfest erhielt Obergrombach 2002 die Möglichkeit, im Schloss-park dicht beim Burgfest-Gelände erstmals ein „Bundschuhlager“ organisieren. Über 200 Gewandträger vermittelten den Besuchern ein Bild des Lebens um das Jahr 1500. Vier Jahre später, 2006, waren es schon über 300 Gewandträger, die den Schlosspark bevölkerten. Möglich war diese Bereicherung des Burgfestes nur dank der Großzügigkeit des Obergrombacher Burg- und Schlossbesitzer Eckbert von Bohlen und Halbach, der den Park dafür zu Verfügung stellte, und der Mitarbeit des Verwalter-Ehepaares Wolfgang und Sylvia Hörl. Im Vergleich zu anderen Mittelalterfesten erstellte das Burgfest im Schlosspark neue Maßstäbe. Während andernorts die Besucher kräftig zur Kasse gebeten werden und eine vierköpfige Familie nicht selten 20, 30 Euro für den Eintritt bezahlen muss, begnügt sich Obergrombach mit einem eher symbolischen Euro – Kinder ab 14 Jahren zahlen die Hälfte. Dafür werden dann an zwei Tagen 14, 15 Stunden Programm geboten, mit Mittelalter-Tanz, Gesang, Schauspiel, Jounglage, Schwertkampf und nicht zu vergessen die „Schlacht um die Burg“. Aber der Mittelalter-Teil ist nur ein Aspekt des Burgfestes. Die Hauptarbeit wird immer noch von den neun Obergrombacher Burgfestvereinen Fußballclub, DRK-Ortsverein, Turnverein, Cäcilienverein, Skiclub, Musikverein, Männergesangverein, Tischtennis-club und Freiwillige Feuerwehr geleistet. Manche Obergrombacher machen bei ihren Vereinen drei oder gar vier Dienste über das Burgfest. Es bleibt zu hoffen, dass das "Obergrombacher Burgfest" auch weiterhin erfolgreich Bestand hat - denn ohne das "Burgfest" wäre die Dorf-Gemeinschaft am Oberlauf des Grombach um einen wichtigen sozialen Faktor, um ein bedeutendes Bindeglied armer. |
| Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 08. Juli 2008 um 22:36 Uhr |